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DGEG - Deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte e. V.
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Vier Leben für die DGEG

Ein sehr seltenes, vielleicht einmaliges Jubiläum gilt es 2019 zu feiern. Viermal 50 Jahre ununterbrochen ehrenamtliches Engagement für die DGEG: Keine anerkennenswerte Einzelleistung, sondern bemerkenswertes Lebenswerk von vier außergewöhnlich engagierten Eisenbahnfreunden.
 
Klicken zum VergrößernZwar kein „Ochsenfurter Männerquartett“ wie beim bekannten Würzburger Dichter Leonhard Frank, aber ein Würzburger Männerquartett sind wir schon und inzwischen seit über einem halben Jahrhundert unzertrennlich befreundet: Das Brüderpaar Walter (Jahrgang 1947) und Helmuth Hombach (1950), sowie Michael Brod (1948) und Joachim Kraus (1948), die ersten drei aufgewachsen im Würzburger Stadtteil Frauenland, der vierte im rußgeschwärzten Eisenbahnerviertel Grombühl. Kein Wunder, dass Joachim, kaum konnte er alleine laufen, nicht mehr von der kaum 80 Meter vom elterlichen Zigarrenladen entfernten Grombühlbrücke über das östliche Gleisvorfeld des Würzburger Hauptbahnhofes wegzubringen war. Auch für die anderen drei war die Bahn stets in der Nähe, nur etwa 150 Meter entfernt führte die Hauptstrecke Würzburg – Heidingsfeld – Ansbach/Heilbronn/Heidelberg an ihren jeweiligen Wohnhäusern vorbei, kurz vor dem Südbahnhof, an welchem stets alle Personenzüge hielten und oft auch Güterzüge auf Einfahrt in den Hauptbahnhof warten mussten.

Musik der Dampflok

Schön beschrieben ist diese Situation in Pit Franckhs Buch „Weite Welt der Eisenbahn“. Über die Fahrt mit der 44 1634 vor Lg 10921 heißt es dort: „Aber vor Würzburg, vor Würzburg stand am 5. April um 0 Uhr 30 das Hauptsignal auf rot, auf ROT! … und der Zeiger des Kesselmanometers geht auf den roten Strich bei 16 und Günther lässt die Speisepumpe an … Man gewahrt in der Nähe des Bahndammes Häuser. Dort schlafen Menschen, es ist ja Mitternacht vorbei. Und wenn jetzt das Ventil losgeht, so werden sie dort aus den Betten fallen, vielleicht aber sind sie auch an den Lg 10921 so gewöhnt, dass ihnen ein bisschen Druck ablassen den Schlaf nicht stört. (...) jäh beginnend mit einem dröhnenden Pumm jubelt der Kessel die Kraft seiner Dampfseele, seinen ganzen heißen weißen Steam in die Nacht.“ Sicher werden die drei des Nachts öfters der Musik der Dampflok gelauscht haben.

Vier_Leben_23Im Bw Würzburg, beim Dampflokfotografieren, lernten sich im Mai 1968 Helmuth und Joachim kennen, es folgten häufige gegenseitige Besuche, um sich auszutauschen. Und da die Hombachbrüder mit dem schräg gegenüber wohnenden Michael seit frühester Kindheit befreundet waren, gehörte natürlich auch dieser zum neu entstandenen Freundeskreis. Joachim war zu dieser Zeit bereits DGEG-Mitglied und es kostete keine große Mühe, auch die neuen Freunde von den Vorteilen einer Mitgliedschaft zu überzeugen. Durch ständigen engen Kontakt zum damaligen DGEG-Präsidenten Dr. Joachim Hotz war Joachim in die Vorbereitungen eines DGEG-Engagements im Jagsttal eingebunden und konnte auch seine Freunde für eine entsprechende Beteiligung gewinnen.

Der allererste Auftrag

So waren wir vier von der ersten Sekunde an am Aufbau eines Museumsbahnbetriebs auf der Jagsttalbahn beteiligt. Am Samstag, dem 11. Oktober 1969, fuhren wir vier in Walters Auto, ausgestattet mit diversen Werkzeugen, früh nach Möckmühl mit dem Auftrag, auf einem alten Fundament einen Lokschuppen zu errichten. Zuallererst musste allerdings ein auf dem Schuppengleis aus den Schienen gesprungener Güterwagen aufgegleist und weggeschoben werden. Es halfen auch Reinhard Wolf aus Rittersbach und Helmuth Müller aus Stuttgart.

Vier_Leben_29.4Der Schuppenbau zog sich bis ins Jahr 1970 hin, aber ein Anfang war gemacht. Was damals keiner ahnte: dass wir vier Würzburger der ersten Stunde auch 50 Jahre später immer noch aktiv für die DGEG tätig sind – zwar nicht mehr im Jagsttal und nicht mehr auf schmaler Spur, dafür aber auf Normalspur am Heimatort Würzburg.
Neben den anfänglichen Tätigkeiten im Jagsttal dehnte sich das Engagement auch auf Arbeitseinsätze an anderen DGEG-Standorten wie Neustadt an der Weinstraße, Bochum-Dahlhausen und Viernheim aus; am Aufbau des Museumsbahnbetriebes in Ochsenhausen wurde nach Beendigung des DGEG-Engagements im Jagsttal wirkungsvoll mitgearbeitet und ab 1984 ein neuer DGEG-Standort in Würzburg begründet. In den 50 Jahren unserer aktiven Arbeit sind für uns vier inzwischen weit über 160.000 Arbeitsstunden ehrenamtlicher Arbeit angefallen – eine stolze Leistung!

Natürlich haben wir vier neben all dem Engagement für die DGEG jeweils auch noch einen ordentlichen Beruf ausgeübt. Michael als hoher Beamter im Staatsdienst, Helmuth und Walter als Maschinenschlossermeister in metallverarbeitenden Betrieben und Joachim, der lernte zwar Maschinenbau, musste dann aber in das elterliche Geschäft der Tabakwarenbranche eintreten. Joachim konnte jedoch als einziger im Winter/Frühjahr 1971 als Heizer beim Bw Lauda auf Lokomotiven der Baureihen 03, 23, 50 und 64 fahren. 1986 gelang es Helmuth und Joachim, die Dampflokführerprüfung abzulegen, die im Anschluss auf vielen Lokbaureihen genutzt wurde.

Aber hat denn keiner einen Beruf bei der Eisenbahn ausgeübt? Doch, allerdings erst als „Spätberufene“. Joachim gab 1989 die elterliche Firma auf und fing als Zugführer beim Hbf Würzburg an. Da er als „Eisenbahnfreund“ hohes Ansehen genoss, waren ihm Sonderleistungen wie z. B. die jeweils letzten Züge auf stillzulegenden Strecken wie Seligenstadt – Volkach und Ochsenfurt – Röttingen/Creglingen vorbehalten, wie auch alle dampfgeführten Sonderzüge im Raum Würzburg. Auch den besonderen Eröffnungszug auf der neu aufgebauten Strecke (Würzburg–Schweinfurt) – Mellrichstadt – Meiningen konnte er als Zugführer begleiten, wofür er als einziger Würzburger Zf auch eine Reichsbahnausbildung absolvierte. Ab 1996 war er auch im Betriebsrat und als Sicherheitsbeauftragter tätig und musste leider 2002 krankheitsbedingt als Regioteamleiter in Rente gehen. Auch Helmuth schaffte noch den Sprung zur Eisenbahn, nachdem sein Arbeitgeber in die Insolvenz ging. Er war von 2006 bis 2016 als Werkstattmeister bei der Brohltaleisenbahn tätig. Neben seiner Werkstatttätigkeit war er dort auch im Betriebsdienst tätig. Vor allem um die Aufarbeitung der normal- und vor allem schmalspurigen Diesellokomotiven machte er sich verdient.

Alters- und gesundheitsbedingt müssen wir erkennen, dass schwere körperliche Arbeit in Zukunft eingeschränkt werden muss – wir hoffen jedoch, im Rahmen unserer Möglichkeiten noch lange für die DGEG tätig sein zu können. Und wir würden uns freuen, wenn wir im Laufe der kommenden Jahre unser Wissen und Können noch an möglichst viele Jüngere weitergeben können!

Joachim Kraus

zu den Bildern:
Verdiente Pause am ersten Arbeitstag: Joachim Wolf, Joachim Kraus, Walter Hombach, Michael Brod (von links). (oben)
Nach erfolgreichem Transport und Abladen wurde Helene händisch zu ihrem Abstellplatz geschoben. (zweites Bild)
Helmuth Hombach und Horst Kaiser beim Abladen von Schwellen in Möckmühl. (drittes Bild)
Mühsamer Transport von Lok Helene von der Zeche zum Bahnhof in Bad Lauterberg. (unteres Bild)

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Zuletzt aktualisiert von Eckhard.Wedding am 08.10.2019, 08:32:32. | Verbesserungsvorschlag oder Fehlermeldung